Grace & Raffaella
-Grace & Raffaella
Thanks to Camilla Butturini, R. Carrà, Gaby Ford, G. Jones for contributing with their voices and to Dimitra Ioannou for the reading of an excerpt of her book "Electric Sarcasm" (2020) featured in "My Animal Thinking".
reviews
Grace & Raffaella ist wie ein Traum in Endlosschleife: flüsternde Stimmen, pulsierende Loops, subtile Beats und kleine Geräusche, die wie zufällig hereinwehen. Hinter dem Projekt stehen die beiden Künstlerinnen ML and Vittoria Totale, die sich an der Schnittstelle von Clubmusik, Performance und literarischem Spoken Word bewegen. Ihre Arbeit ist tief in einer europäischen DIY- und Kunstszene verwurzelt. Veröffentlicht wurde das selbstbetitelte Album auf meakusma, dem belgischen Label und Festival-Kollektiv aus Eupen, das seit Jahren für kompromisslose experimentelle elektronische Musik steht – zwischen Installation, Club, Improvisation und avantgardistischem Pop.
Entsprechend fügt sich Grace & Raffaella nahtlos in den Katalog ein: Musik als offenes System, als Prozess. Jeder Track öffnet ein eigenes Fenster in diese leicht surreale Welt. „John Is Not There” flackert wie ein Herzschlag, der durch den Raum hallt. „It’s A Strange World” kippt in glitzernde Electro-Texturen. „My Animal Thinking” verwebt literarische Fragmente mit einem fetten Subbass, während „Candy Culture” auf den hypnotischen Club-Marathon setzt – verspielt, abgründig und langgezogen. „Microscopic Touch” ist intim und zerbrechlich, „What a Beautiful Dress” dagegen funktioniert elegant und verspielt. „Walking Around with K.A.” gleicht einem urbanen Spaziergang, „Gaby’s Coat” wärmt mit Stimmen und elektronischem Tiefgang, und „Tang Of Sheng” schließt wie ein tranceartiges Kaleidoskop aus Klangfarben. Stilistisch bewegt sich das Album zwischen Minimal Wave, Spoken Word, experimenteller Electronica und langsam atmendem Groove – Musik für Kopfhörer, Galerie und dunkle Tanzflächen gleichermaßen. Alles in allem ist Grace & Raffaella ein hypnotisches, digitales Geflecht aus Minimalismus, surrealem Pop und elektroakustischer Körperlichkeit: introspektiv, klug und seltsam zugänglich.
Liron Klangwart (Groove)
www.groove.de